Exkursion nach Verviers (Belgien)

Am 29.07.2023 lud der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein e.V. ein zu einer Ganztagsexkursion nach Verviers (Belgien). Stolberg und Verviers haben neben Aachen, Monschau und Euskirchen eine gemeinsame Tradition in der Geschichte der Tuchmacher.

Die 23 Teilnehmer trafen sich um 8.15 Uhr am Parkplatz am Mühlener Bahnhof und fuhren in Fahrgemeinschaften mit Privat-Pkws nach Welkenraedt. Von dort brachte uns die Belgische Bahn zu einem günstigen Preis nach Verviers. Die Stadt Verviers empfing die Gruppe mit einer beeindruckenden Visitenkarte: der besonderen Architektur des Jugendstils des Bahnhofs Verviers Central.

Bahnhof Verviers-Central 

Der Bahnhof Verviers Central ist als Reiterbahnhof gebaut. D.h. die Gleise werden in einem 388 Meter langen Tunnel unter dem Empfangsgebäude hindurchgeführt.Vor den Toren des Bahnhofs erwartete uns die deutschsprachige Stadtführerin, die uns die Besonderheiten dieses Bahnhofs erläuterte und uns anschließend in Richtung Innenstadt führte.

Ein Trog zum Färben der Textilien

Der Weg führte uns an einem denkmalartig aufgestellten Farbtrog vorbei, der den Färbern der Tuchindustrie zum Färben der Textilien diente. Dieser bot die Gelegenheit, etwas aus der Geschichte der Tuchmacher in Verviers zu erfahren.

Verviers war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein weltweit bekannt als Zentrum des Wollhandels und der Textilindustrie. Ausgangspunkt der Textilindustrie war das weiche (d. h. fast kalkfreie) Wasser der Weser, das sich hervorragend zum Waschen von Wolle und anderen Textilien eignete. Der geringe Kalkgehalt des Wassers der Weser erklärt sich dadurch, dass die Weser und ihre Zuflüsse sich aus den Mooren des Hohen Venns speisen. Heute erinnert ein Museum an die Zeit der Textilindustrie. [Wikipedia] 

Auf dem Weg in die Innenstadt hielt die Gruppe kurz inne am „Grand-Théâtre de Verviers“ und am „Monument de la Victoire“, einem Ehrenmal zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Am Rande der Innenstadt begegneten wir einem historischen Wegekreuz, das vor der erweiterten Bebauung der Innenstadt am Stadtrand an der Kreuzung zweier Wirtschaftswege gestanden hatte.

Ein Wegekreuz am früheren Stadtrand

Das Denkmal eines „gut betuchten“ Tuchmachers zeigte uns, dass die Rohwolle in kleinen blauen Rollen verpackt und transportiert wurden.

Der "betuchte" Tuchmacher präsentiert die blauen Rollen, in denen die Rohwolle transportiert wurde. 

Auf dem Weg in die Innenstadt erläuterte die Stadtführerin eine Legende, die sich um den Springbrunnen „David Fontaine“ rankte.
Die Geschichte war zu einem Mythos geworden: Es hieß, das Herz des ersten Bürgermeisters der Stadt sei in einer Schachtel versiegelt und im Stadtbrunnens versteckt worden. Doch die Legende ist wahr: Bei der Restaurierung des Pierre-David-Brunnens entdeckten Arbeiter zufällig die zweihundert Jahre alte Reliquie.
[Quelle: Berliner Morgenpost vom
05.09.2020]

"David Fontaine"; Foto:  Google Maps  

Vorbei an der „Grand Poste“, dem historischen Post- und Telegrafenamt, und dem Springbrunnen „Fontaine Ortmans“ führte der Weg durch die Innenstadt mit dem Samstags-Markt. Dieser lang gestreckte Straßenmarkt bestätigte die Aussage der Stadtführerin, dass Verviers mehr als 100 Nationalitäten beherbergte.

Auf dem Weg zum Marktplatz schmiegte sich das „kleinste Haus“ in Verviers zwischen die zweigeschossigen Häuser.

Das kleinste Haus in Verviers 

Am Ende der Marktstraße belohnte das Rathaus, das „Hotel des Ville“, mit seiner neoklassizistischen Architektur.
Es ist vollständig als Denkmal eingestuft und steht seit 2002 auf der Liste des außergewöhnlichen Kulturerbes der Wallonie.
Das Vorderteil präsentierte sich mit einem geschwungenen Giebel und dem Motto „Öffentlichkeit, Schutz des Volkes“. Er stammt aus der Revolution von 1830 und bezieht sich auf die Öffentlichkeits-Debatten der gewählten Amtsträger [Quelle: verviers.be].

 

Das Rathaus von Verviers, "Hotel de Ville"; Foto: Verviers.be 

Nach einer gemeinsamen Mittagspause besuchten die Teilnehmer das Centre Touristique de la Laine et de la Mode, das Museum, uns auf drei Etagen mit seinen historischen Utensilien und Maschinen in die Geschichte der Tuchmacher entführte.

 

Im Textilmuseum, Centre Touristique de la Laine et de la Mode

Maschinen zum Reinigen und Auskratzen der Rohwolle 

Ein gemütlicher Rückweg zum Bahnhof gab die Gelegenheit, das äußere Erscheinungsbild der Stadt zu verinnerlichen. Verviers hatte ebenso, wie viele andere Orte an der Weser vor zwei Jahren stark unter dem Hochwasser zu leiden. Es entstand der Eindruck, dass längst noch nicht alle Schäden behoben sind.

Während der Rückfahrt mit der belgischen Bahn waren alle froh über die Gelegenheit, unsere (fast) Nachbarstadt mit der gemeinsamen Tuchmacher-Geschichte einmal gesehen zu haben.

Ein besonderer Dank galt den beiden Organisatoren, deren Planung und Durchführung hervorragend funktioniert und für die ganze Gruppe zu einem erlebnisreichen Tag geführt hat.

Text und Fotos (soweit nicht anders beschriftet): Karl Meurer

 

Heute, am Montag, dem 19.12.2022, wurde im Zinkhütter Hof in Anwesenheit
der Spitzen von Rat und Verwaltung der Heimatpreis 2022 der Stadt Stolberg durch
Bürgermeister Patrick Haas verliehen.

Am Samstag, dem 17.12.2022 steht das Programm der 
"Kupferstädter Weihnachtstage" unter dem Motto der "Kinderweihnacht".

Abweichend von den Veröffentlichungen beginnt am Samstag, 17.12.2022, 
das Programm im Rittersaal der Stolberger Burg bereits um 13.45 Uhr.