Neuerscheinungen

Werden und Wachsen, Handel und Wandel in Stolbergs Mitte

Teil 1: Die Burg und die Altstadt am Fuße des Burgfelsens

 

ErlÀuterungen zum Inhalt von A. Katharina und Helmut Schreiber:

Stolbergs Geschichte war immer eng mit der Landesgeschichte verknĂŒpft. Durch die Thema­tisierung neuer Aspekte der Expansionspolitik der Herzöge von Limburg im hiesigen Raum eröffnen sich bisher wenig bekannte geschichtliche ZusammenhĂ€nge zum Werden und Wach­sen der Unterherrschaft Stolberg.


 

Rekonstruktion des Aufmarsches zur Schlacht von Baesweiler 1371

 

Die Betrachtung zeitgenössischer Ansichten der Stolberger Burg aus bauhistorischem Blick­winkel ermöglicht eine neue Zuordnung vieler Details. Unsere Hinweise zur Nutzung der Burgstol­len zu verschiedenen Zeiten ergÀnzen diese Sichtweise.

 

Das erstaunlichste Ergebnis unserer Forschungen ist jedoch die Feststellung, dass Stolberg in der Mitte des 17. Jahrhunderts eine Landwehr besaß. Quellenangaben von 1658 ist zu ent­nehmen: „ahn der Pforten dadurch man von Deuren und sonsten in Stolberg ein­kommt“. Weitere Einzelheiten der Stolberger Geschichte werden unter der Überschrift „Die Entstehung einer Gewerbelandschaft im Vichttal vor dem Hintergrund sich verĂ€ndernder Bevölkerungs­strukturen und einer neuen Glaubensauffassung“ gegeben.

Die Stolberger Kupfermeister waren bis zur Union der Reformierten mit den Lutheranern im Jahre 1860 fast ausschließlich Calvinisten. Sie erbauten die Finkenbergkirche als ihre Gebets­stĂ€tte.

Die Tuchmacher gehörten, bis auf wenige Ausnahmen, der lutherischen Konfession an. Sie errichteten die Vogelsangkirche. Die Katholiken nutzten die Burgkapelle, in verĂ€nderter Form die heutige St.-Lucia-Kirche, als ihr Gotteshaus. Das Buch vermittelt einfĂŒhlsam Informatio­nen zur Geschichte und zur Ausstattung dieser Altstadtkirchen.

Ein wichtiger Teilbereich der Stolberger Geschichte betrifft die Kupferhöfe in der Altstadt. Die Erschließung von Quellen und die Auswertung bereits vorliegender Arbeiten ermöglich­ten eine weitaus differenziertere geschichtliche Aufarbeitung dieser  Siedlungskerne. Doch auch das Alter der umliegenden GebĂ€ude auf der sogenannten „Berger Seite“ am Fuße des Hammerbergs konnten wir durch das Dechiffrieren eines Dokumentes annĂ€hernd bestimmen und die frĂŒheren Besitzer feststellen.

Wie fortschrittlich die technische Ausstattung der Kupferhöfe im Vichttal damals gewesen sein muss, lÀsst ein Spionagefall erkennen, dessen Zielsetzung 1763 das Ausspionieren der Stolberger Fingerhutproduktion war. Der betreffende Schriftwechsel, der aus dem Wiener Staatsarchiv stammt, wurde von den Verfassern ausgewertet.

 

Die Einfahrt zum Kupferhof Fingerhut lag zwischen dem heute noch bestehenden GebĂ€ude des Kupferhofes „Markt“ und dem zum „Fingerhut“ gehörenden GebĂ€ude mit Mansarddach

 

 

Tuchmacherhof „Knautzenhof“

 

Ein in der Stolberger Geschichtsforschung und –darstellung bisher leider vernachlĂ€ssigter Wirtschaftszweig ist das Tuchmachergewerbe. Es bot – man lese und staune – 600 Menschen einen Arbeitsplatz. Im Messinggewerbe gab es nur ca. 200 bis 300 ErwerbstĂ€tige mehr, nĂ€m­lich ca. 800 bis 900 BeschĂ€ftigte. Die um 1800 in Stolbergs Altstadt ansĂ€ssigen Tuchfabriken waren zudem technisch erstaunlich gut ausgestattet. Wie bedeutsam die vielen ArbeitsplĂ€tze fĂŒr Stolbergs Wohlstand gewesen sein mĂŒssen, lĂ€sst sich an der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringen Bevölkerungszahl von 1900 im Jahre 1798 und 2.538 im Jahre 1816 messen.

 

Tuchmacherhof „Krone“

Schon in der zweiten HÀlfte des 18. Jahrhunderts unterhielten die Tuchfabrikanten FÀrber, Offermann und Stoltenhoff eine ProduktionsstÀtte auf dem Vichter Henneswerk. Der Forschungsarbeit Rudi DreuwŽs ist es zu verdanken, dass dieser Teilbereich der Stolberger und Vichter Tuchmachergeschichte aufgearbeitet werden konnte.

Weiter thematisiert wurden u. a. die Ă€ltesten noch vorhandenen BrauhĂ€user „In der Schart“ und in der Klatterstraße sowie eine Abhandlung zum frĂŒheren Bierkonsum, wie auch die neu ausgearbeitete Geschichte der Stolberger Getreide- und spĂ€teren ArnoldsmĂŒhle.

Ausgewertete Überlieferungen zum „Beguinenhöfgen“ an der Grabenstraße, zum „Neuen Bau“ und dem „Krings-Hof“ in der Burgstraße, aber auch viele weitere neue Erkenntnisse zu Stol­bergs Geschichte bereichern den Inhalt des Buches.

Schließlich runden Schilderungen der handwerklichen und gewerblichen AktivitĂ€ten des 19. und 20. Jahrhunderts in Stolbergs Altstadtstraßen den Streifzug durch die Geschichte ab.