Donnerstag, 12.09.2019 - Vortrag "Der Eiserne Rhein"

Vortrag "Der Eiserne Rhein" im Kupferhof Rosenthal

Am Donnerstag, 12.09.2019, 20.00 Uhr lud der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein im Kupferhof Rosenthal zu einem Vortrag "Der Eiserne Rhein" ein.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Karl Meurer, beleuchtete die Geschichte der ersten grenzĂŒberschreitenden Eisenbahnverbindung von Köln nach Antwerpen.

Am 20.09.2019 veröffentlichten die STOLBERGER NACHRICHTEN den folgenden Artikel von Toni Dörflinger:

Spannend und anschaulich

Karl Meurer referiert auf Einladung des Geschichtsvereins zum Eisernen Rhein

 

Stolberg Mit dem Thema der „Eiserne Rhein“, prĂ€sentierte der pensionierte Bundesbahnoberamtsrat Karl Meurer den Besuchern im Saal des Kupferhofes Rosenthal einen spannenden Vortrag. Diesen gestaltete der 70-JĂ€hrige, der allein 44 Jahre in Diensten der Deutschen Bahn gestanden hatte, anschaulich und ĂŒberaus lebendig.

Lebendig wurde der Vortrag, dem man anmerkte, dass es das „Leibthema“ des frĂŒheren Bahnbeamten war, allein dadurch, dass Meurer nicht nur die historischen AblĂ€ufe anschaulich schilderte, sondern auch auf die Berichte der damaligen Zeitzeugen einging: Zeugen, die unter anderem im Jahre 1841 die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Köln nach Aachen miterlebt hatten und das Ereignis in zeitgenössischen Berichten mit großer Empathie und Begeisterung wiedergegeben hatten. Untermalt hatte der Bahnexperte seinen Vortrag mit einer Power-Point-PrĂ€sentation, in der Kartenmaterial, Fotos der damals beteiligten Personen und errichteten Bauwerke sowie Bilder der ersten, ĂŒberwiegend aus England stammenden Lokomotiven gezeigt wurden.

Der Vortrag fand auf Einladung des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereines statt. Als Eiserner Rhein wird die in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts entstandene Bahnstrecke von Köln nach Antwerpen bezeichnet. Eiserner Rhein deswegen, weil der Schienenstrang, der regelmĂ€ĂŸig mit Lokomotiven und Waggons befahren wurde, eine ĂŒber Land fĂŒhrende Alternative zum Wasserweg Rhein war. Schließlich hatten damals die NiederlĂ€nder den GĂŒtertransport ĂŒber den Rhein zum Hafen nach Antwerpen mit hohen Schutzzöllen belegt. Darum suchte der junge Staat Belgien, der sich 1830 von den Niederlanden gelöst hatte, nach einem anderen, wirtschaftlicheren Transportweg. Ein Transportweg, bei dem Lokomotiven und Schienen zum Einsatz kommen sollten, die man im frĂŒhen 19. Jahrhundert schon in England entwickelt hatte. Demnach kam englische Technologie zum Einsatz, als im Mai 1835 als erste Eisenbahn auf dem europĂ€ischen Kontinent in Belgien die Strecke von BrĂŒssel nach Mechelen eröffnet wurde.

(1835: Erste belgische Lokomotive: L'Elefant)


Wie Meurer darstellte, wurde von belgischer Seite rasch der Kontakt nach Preußen gesucht, um diese Strecke nach Köln zu verlĂ€ngern. Laut Meurer wurde die Idee in Preußen begeistert aufgenommen, so dass sich im Kölner und Aachener Umfeld zwei private Eisenbahngesellschaften bildeten. Allerdings hatten die Kölner einen Schienenweg geplant, der Aachen und DĂŒren ausklammern sollte. Diese Idee gefiel, wie der Bahnexperte schilderte, David Hansemann, dem PrĂ€sidenten der damaligen Aachener Handelskammer ĂŒberhaupt nicht. Er forcierte verstĂ€ndlicherweise einen Aachener Anschluss. Letztendlich setzte sich Hansemann durch und „seine“ Rheinische Eisenbahngesellschaft wurde in den spĂ€ten 1830er Jahren mit dem Bau der Strecke von Köln nach Aachen beauftragt. Die fĂŒr das Projekt erforderlichen Bahnhöfe, Tunnel, DĂ€mme und Viadukte prĂ€sentierte Meurer, indem er stellvertretend einige damalige Bauwerke vorstellte.

Seinen Vortrag schloss Meurer, der 1991 gemeinsam mit seinem Onkel Josef Meurer das lokalgeschichtliche Werk „Dampf im Vichtbachtal – 150 Jahre Eisenbahn in Stolberg“ herausgegeben hatte, indem er auf die Entwicklung der historischen Bahnstrecke nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute einging: Themen waren dabei die Elektrifizierung der Strecke und die ErtĂŒchtigung der Linie fĂŒr die Hochgeschwindigkeit.