Sonntag, 11.08.2019 - Ausstellungsbesuch "Medizin-, Pharmazie- und Labortechnik" in der Villa ZinkhĂĽtter Hof, Stolberg

Stolberg trifft Penicillin

Der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein e.V. besuchte die Historische Sammlung „Medizin-, Pharmazie- und Labortechnik“ in Stolberg, Villa Museum Zinkhütter Hof

 

Am Sonntag, dem 11.08.2019, lud der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein e.V. zum Besuch der Historische Sammlung „Medizin-, Pharmazie- und Labortechnik“ in Stolberg, Villa Museum Zinkhütter Hof ein.

In zwei Führungen illustrierten Herr Dr. med. Hans-Otto Brans und Herr Heinz-Günter Geyr, ehemaliger Mitarbeiter der Fa. Grünenthal, die ständige Ausstellung der historischen Sammlung „Medizin-, Pharmazie- und Labortechnik“ vom Arbeitskreis um Hartmut Kleis sowie die Sonderausstellung „90 Jahre Penicillin (70 Jahre Penicillin in Deutschland)“.

 

Sir Alexander Fleming entdeckte im Jahre 1928, dass sich in den Resten in einer Petrischale Pilze entwickelten, welche die Bakterien vernichteten. Es folgte eine lange Forschungsreihe. Nach Abschluss von Tierversuchen testete man das neue Mittel 1941 zum ersten Male erfolgreich am Menschen. Der Zweite Weltkrieg zeigte erstmals den Wert von Penicillin dramatisch auf. In den USA produzierten in Vorbereitung auf den D-Day in der Normandie 21 Pharmafirmen 2,3 Millionen Einzeldosen Penicillin. Das brachte viele amerikanische Soldaten lebendig nach Hause.
1945 erhielt Fleming mit anderen den Nobelpreis fĂĽr Medizin.

Da das Penicillin anfangs noch nicht patentgeschützt war, startete Dr. Heinrich Mückter bei der Firma Grünenthal im Jahre 1946 den Nachbau. Wegen zu starker Verunreinigungen wollte man den Stoff zunächst nicht zur Injektion freigeben und versuchte sich stattdessen im Jahre 1948 an einer Salbe. Das Material für die Metalltuben besorgte man sich wegen der Materialknappheit aus Flugzeugschrott. Nach weiterer technischer und pharmakologischer Entwicklung setzte in der Nachkriegszeit das Penicillin seinen Siegeszug in Deutschland an.
[Quelle: Texte der Sonderausstellung „90 Jahre Penicillin“].

Herr Dr. Brans führte die Teilnehmer sehr anschaulich durch die Geschichte der Medizin und Pharmazie. Die in den zahlreichen Vitrinen ausgestellten Exponate erinnerten an Nachkriegsfilme um Dr. Sauerbruch, seine Utensilien und Werkzeuge. Die Vielzahl der Fachgebiete reichte von der Geburtszange bis zum Aderlassmesser, von Schröpfgläsern bis zu den großen gläsernen Glasballons zur Destillierung. Ebenso vermittelten Laborgeräte einen Eindruck von historischer Arbeit in der Welt der Pharmazie.

Die beiden FĂĽhrungen machten diesen Besuch zu einer sehr informativen und z.T. unterhaltsamen Veranstaltung.

Karl Meurer

 

Fotoautor: Hubert Dohmen